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Stephen W. Hawking über das starke anthropische Prinzip aus seinem berühmten Buch: Eine kurze Geschichte der Zeit oder: wenn Naturwissenschaft zur Ideologie wird Ferner liegt das starke anthropische Prinzip ... quer zum Verlauf der gesamten Wissenschaftsgeschichte. Von den geozentrischen Kosmologien des Ptolemäus und seiner Vorläufer sind wir über die heliozentrische Kosmologie von Kopernikus und Galilei zum modernen Weltbild gelangt, in dem die Erde als mittelgroßer Planet eines durchschnittlichen Sterns in den Randzonen eines gewöhnlichen Spiralnebels erscheint, der seinerseits eine Galaxis unter etwa einer Billion anderen im beobachtbaren Universum ist. Dagegen würden allerdings die Vertreter des starken anthropischen Prinzips geltend machen, daß diese ganze gewaltige Konstruktion nur um unsretwillen da ist. Das ist sehr schwer zu glauben. Sicherlich ist unser Sonnensystem eine Voraussetzung für unsere Existenz, und man mag dies auf unsere ganze Galaxis ausweiten können, um jene frühere Sternengeneration einzubeziehen, die die schweren Elemente hervorbrachte. Doch es scheint keine Notwendigkeit für all die anderen Galaxien zu geben noch für die Gleichförmigkeit und Ähnlichkeit, die sich großräumig in allen Richtungen abzeichnet. Leichter könnte man sich mit dem anthropischen Prinzip anfreunden, zumindest mit seiner schwachen Spielart, wenn nachzuweisen wäre, daß sich aus einer ganzen Reihe verschiedener Anfangszustände ein Universum wie dasjenige hätte entwickeln können, das wir beobachten. In diesem Falle müßte ein Universum, das sich aus irgendwelchen zufälligen Anfangsbedingungen entwickelt hätte, Regionen enthalten, die einheitlich und gleichmäßig sind und sich für die Evolution intelligenten Lebens eignen. Wenn andererseits der Anfangszustand des Universums außerordentlich sorgfältig hätte gewählt werden müssen, um zu einem Universum zu führen, wie wir es um uns herum erblicken, so würde das Universum aller Wahrscheinlichkeit nach keine Region enthalten, die Leben hervorbringen könnte. In dem oben beschriebenen Modell des heißen Urknalls blieb der Wärme im frühen Universum nicht genügend Zeit, um von einer Region in die andere zu gelangen. Mit anderen Worten: Um erklären zu können, warum der Mikrowellenhintergrund in allen Richtungen, in die wir blicken, die gleiche Temperatur aufweist, müßte auch der Anfangszustand des Universums überall exakt die gleichen Temperaturen gehabt haben. Die anfängliche Ausdehnungsgeschwindigkeit hätte sehr genau ausgewählt werden müssen, um zu erreichen, daß die gegenwärtige Expansionsgeschwindigkeit noch immer so nahe der kritischen Geschwindigkeit liegt, die erforderlich ist, um einen erneuten Zusammensturz zu vermeiden. Der Anfangszustand des Universums hätte also in der Tat eine sehr sorgfältige Wahl erfordert, wenn das Modell des heißen Urknalls eine zutreffende Beschreibung bis zurück zum Anbeginn der Zeit liefert. Warum das Universum gerade auf diese Weise angefangen haben sollte, wäre sehr schwer zu erklären, ohne das Eingreifen eines Gottes anzunehmen, der beabsichtigt hätte, Wesen wie uns zu erschaffen. In dem Bemühen, ein Modell des Universums zu entwickeln, in dem sich viele verschiedene Anfangszustände zu einem Gebilde wie dem gegenwärtigen Universum hätten entwickeln können, hat Alan Guth ... die Vermutung geäußert, das frühe Universum könnte eine Zeit sehr rascher Ausdehnung durchlaufen haben. Seite 160ff | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Der Philosoph und Physiker Helmut Hille gelangt zu einer <holistischen> Deutung des AP | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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In einer Zeit, in der sich der Mensch in ihn gefährdender Weise aus dem Naturzusammenhang gelöst hat, sehe ich für ihn das Bedenken ganzheitlicher Zusammenhänge als vordringlich an, worüber ich mit C.F.v. Weizsäcker in einem ausführlichen Gespräch einig war. So wie es erwiesenermaßen schon physikalisch bei den größten und kleinsten Körpern keinen gibt, der rein für sich existiert, gibt es erst recht keine Lebenserscheinung, die nicht auf andere und Nichtlebenserscheinungen existentiell angewiesen ist und bleibt. Das müssen wir, um unserer Zukunft willen, lernen zu verstehen und zu leben. Daher ist auch die Physik aufgefordert, zur Vertiefung des Ganzheitsgedankens ohne Vorbehalt ihren Beitrag zu leisten. Ansätze sehe ich auch in der Kosmologie. Das von ihr diskutierte anthropische Prinzip besagt, daß zwischen dem jetzigen Zustand des Universums und der Existenz von Menschen eine Korrelation besteht. Also: wenn das Universum nicht in dem komplexen Zustand wäre, wie er gegenwärtig festzustellen ist, dann wären wir gar nicht da. Die Fahne der Eigenliebe schwenkend haben einige aus dieser richtigen Einsicht den irrigen Schluß gezogen, daß der Mensch der Zweck des Universums wäre, das ihm daher zu dienen hätte, was man das starke anthropische Prinzip nennt. Das hätten natürlich ebensogut z.B. auch die Saurier vor hundert Millionen Jahren behaupten können, als sie die Erde beherrschten. Völlig abgesehen davon, daß nur ein intelligentes Wesen Zwecke setzen kann, liegt nicht sowieso der Schluß viel näher: nur wenn wir sehr sorgfältig auf die komplexen und empfindlichen Bedingungen unserer Existenz achten und sie erhalten, kann auch die menschliche Rasse überleben. Man könnte zur Unterscheidung dies das holistische anthropische Prinzip nennen. Doch ich denke, daß das anthropische Prinzip selbst schon diesen unaufhebbaren Zusammenhang zwischen dem Zustand der Welt und der Existenz forschender Menschen zum Ausdruck bringt, der eben ernst zu nehmen ist. Hierzu sagte der chinesische Weise Laotse (604 - 520 B.C.), fast ein Zeitgenosse des Parmenides: "Wer das Leben nicht ernst nimmt, dem wird es seinen furchtbaren Ernst zeigen." | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||