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Im Gegensatz zum Tier weiß der Mensch, dass er weiß. Die Evolution hat mit der Herausbildung des Geistes oder durch die Partizipation am Geist (entsprechend der naturalistischen oder metaphysischen Vorentscheidung) den Menschen aus der Natur entlassen gewissermaßen in die Fremdlingschaft. Wir sind der Natur entfremdet durch den Gebrauch der vorgegebenen Vernunft und bleiben doch Teil von ihr. Diesen Widerspruch zu lösen, bleibt uns Menschen stets aufgegeben und seiner Lösung dient das Bemühen insbesondere von Philosophie und Religion. Der Anthropologe Helmuth Plessner beschreibt den Menschen als <exzentrisch positional> "Als Mitte lebt der Mensch, insofern er sich als Mitte weiß. Das Tier ruht in sich selbst, ohne um sich selbst zu wissen. Es lebt und erlebt, aber es erlebt nicht sein Erleben. Dies vermag nur, wer aus seiner Mitte herausgesetzt ist, zu seiner Mitte so Distanz hat, daß er die Mitte als Mitte erfahren kann. Dies ist beim Menschen der Fall, insofern er als Ich außerhalb seiner selbst steht." aus:Funkkolleg DER MENSCH, Anthropologie Heute, Studienbrief 1, Seite 29 Ich habe versucht, diesen zentralen Gedanken von Plessner in einer Textgrafik bildlich darzustellen. >> zur Textgrafik | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| >> Plessner, Text | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Eine positive Aufnahme der exzentrischen Position des Menschen findet sich bei Robert Spaemann. Ihm zufolge ist die Tatsache, dass der Mensch nicht im <Triebhang> verharrt wie das Tier, also im Zentrum seiner Natur, sondern aus sich heraus tritt, die Grundbedingung für sittliches Verhalten. Denn in der exzentrischen Position hat der Mensch die Chance, sich in Relation zu anderen Zentren zu sehen, d.h. der andere kommt für mich in seinem Selbstsein in Betracht. Es gilt sich zurück zu nehmen; den anderen nicht als Teil der eigenen Welt zu betrachten (meine Kinder, mein Freund, mein Ehepartner), sondern sich als Teil der Welt des anderen. >> Text | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Interview mit Hoimar von Ditfurth, Gott in der Evolution? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Dawkins, Und es entsprang ein Fluß in Eden, zum Thema <Evolution und Leiden> | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Max Scheler schreibt in seinem Werk "Die Stellung des Menschen im Kosmos" treffend: "Der Mensch muß den eigenartigen Zufall, die Kontingenz der Tatsache, daß überhaupt Welt ist und nicht vielmehr nicht ist und daß er selbst ist und nicht vielmehr nicht ist, mit anschaulicher Notwendigkeit in demselben Augenblicke entdecken, wo er sich überhaupt der Welt und seiner selbst bewußt geworden ist ... Welt-, Selbst- und Gottesbewußtsein bilden eine unzerreißbare Struktureinheit ... ." (Seite 89) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Stephen Gould (Paläontologe aus Harvard) "Evolution ist ein Prozeß wachsender Vielfalt. Kulturelle Evolution ist ein Prozeß der Ansammlung." "Ich habe die Frage diskutiert, ob der kulturelle Fortschritt an Grenzen stoßen kann (auch der philosophische?), ob die Möglichkeiten irgendwann erschöpft sind. Das könnte erklären, warum es heute nur so wenige große Komponisten gibt, während zwischen den Jahren 1685 und 1828 die gesamte Lebensspanne von Bach, Händel, Mozart, Haydn, Beethoven Schubert und vielen anderen liegt. Es ist doch nicht möglich, daß damals in der deutschsprachigen Welt mehr Genies lebten als heute auf der ganzen Erde. Es muß deshalb etwas damit zu tun haben, daß sie die Möglichkeiten der klassischen Komposition ausgeschöpft haben." "Die meisten Leute betrachten die Ev. Immer noch als zielgerichteten, sinnvollen Prozeß. Und dann überbewerten viele Forscher (zB. Dawking) die Bedeutung der Selektion. Sie vernachlässigen den Anteil zufälliger, willkürlicher Prozesse." "Wir sind eben nicht so mächtig wie wir meinen. Das Universum ist chaotisch und nicht immer wohlwollend, und wir sehnen uns verzweifelt danach, es möge anders sein. Also basteln wir uns Argumente dafür, alles habe einen Sinn, nämlich den, uns hervorzubringen, damit wir die Natur beherrschen können." | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kritische Anmerkungen zur Evolutionstheorie aus der Sicht eines Naturwissenschaftlers finden sie in dem Aufsatz von Dr. Rüst. Seine philosophischen Schlussbemerkungen habe ich unten zitiert. Die Teile A-C enthalten biochemische Darlegungen, die ohne Vorkenntnisse nicht verstehbar sind. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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D. Philosophische Schlussbetrachtungen In einzelnen neueren Veröffentlichungen sind die grundsätzlichen Unzulänglichkeiten des neodarwinschen Evoluti- onsmechanismus für die Makroevolution erkannt und klar ausgesprochen worden. Doch bleiben diese Aussagen nach wie vor auf eine Art wissenschaftliches Ghetto beschränkt. Es herrscht eine strenge Zensur, und zwar nicht nur für offensichtlich unwissenschaftliche Beiträge. Kein führender Wissenschaftler oder Redaktor einer respektablen Zeit- schrift will seinen Ruf aufs Spiel setzen, indem er riskiert, des Kreationismus" bezichtigt zu werden. Diese Anklage ist sogar schon Kritikern widerfahren, welche weder etwas von Schöpfung erwähnt, noch die Tatsache" der Evolution bezweifelt haben! Aufgrund eines sich fälschlicherweise wissenschaftlich" nennenden Kreationismus ist das wissen- schaftliche Establishment gegenwärtig überempfindlich und manchmal nicht objektiv. Natürlich gibt es eine Art von methodischem Atheismus" in der Wissenschaft, indem sie sich freiwillig (und notge- drungen!) auf rein natürliche Erklärungen beschränkt. T. S. KUHNS Modell des Paradigmenwechsels" postuliert zu- dem, dass man auch eine mangelhafte Erklärung so lange beibehalte, bis eine bessere gefunden sei. Aber die Aufrich- tigkeit verlangt dennoch, die bekannten Mängel eines Paradigmas, hier der vorliegenden neodarwinschen Erklärung, offen zuzugestehen. Und diese Ehrlichkeit fehlt weitgehend, insbesondere in Lehrbüchern, in journalistischen und anderen popularisierenden Veröffentlichungen. Man ist höchstens bereit, einzugestehen, dass man noch nicht alle De- tails erforscht habe, betont aber gleichzeitig, die Tatsache" der Evolution könne keinesfalls mehr angezweifelt wer- den, die neodarwinsche Erklärung sei weitgehend erfolgreich, und es sei keine alternative wissenschaftliche Hypothese in Sicht. Die Biologen versuchen, durch Verfeinerungen, Zusatzhypothesen, Berücksichtigung eventuell noch nicht be- achteter Einflüsse, Neuformulierungen usw. doch noch einen plausiblen neodarwinschen Makroevolutionsmechanis- mus zu finden, enden aber jedesmal wieder bei der bloßen natürlichen Selektion zufällig entstandener Mutanten. Mathematiker haben bisher vergeblich auf die Hoffnungslosigkeit dieses Unterfangens hingewiesen. Bezüglich mög- licher Mechanismen einer Makroevolution herrscht heute unter den Fachleuten eine perfekte Ratlosigkeit. Es trifft also nicht zu, dass die Evolutionstheorie bis heute die einzige wissenschaftliche Erklärung des Lebens sei: wir haben über- haupt keine! Muss also die Evolutionstheorie über Bord geworfen werden? Soweit es die Mikroevolution angeht, sicher nicht. Die Mechanismen, welche Genetik und Molekularbiologie erforscht haben, stehen im allgemeinen auf soliden Füßen. Al- lerdings ist es in diesem Zusammenhang trotz aller Veränderungen eindeutig irreführend, von Evolution zu sprechen. Bezüglich Lebensentstehung und Makroevolution hingegen kann die Frage ohne ein Zurückgreifen auf philosophische, weltanschauliche, religiöse Grundvoraussetzungen überhaupt nicht beantwortet werden. Die Hauptschwierigkeit mit der Extrapolation von der speziellen auf die allgemeine Evolutionstheorie liegt immer wieder in der Frage nach der Herkunft der nötigen funktionalen Information. Dies ist solange kein grundsätzliches Problem, als ein Schöpfer vorausgesetzt wird, d. h. eine ewige, über dem Universum stehende, allmächtige Intelligenz, also ein personhafter Gott, der alle benötigte Information irgendwie eingeschleust hat (und fortwährend einschleust). Damit würde Lebensentstehung allerdings nicht spontane" und Makroevolution mit allen zugehörigen Über- gängen denkbar oder gar plausibel. Die Frage, ob ein solcher oder ähnlicher Schöpfungsmechanismus theologisch sinnvoll, d. h. mit der Offenbarung vereinbar wäre, ist zwar schon von vielen auch solchen, welche die Bibel ohne jegliche Abstriche als göttliche Offenbarung akzeptieren bejaht worden, aber eine Erörterung dieses Themas würde an dieser Stelle zu weit führen. Ein solches Einschleusen von Information könnte, als ein übernatürlicher Vorgang, sicher nicht naturwissenschaftlich untersucht werden. Man darf aber auch nicht aus diesem Grunde annehmen, eine eventuelle zukünftige vollständige" Erforschung aller natürlichen Zusammenhänge müsste dazu führen, solche göttlichen Eingriffe auszuschließen einfach, weil es nichts mehr zu erklären" gäbe. Neuere Befunde haben uns in eindrücklicher Weise an einige grund- sätzliche Grenzen der naturwissenschaftlichen Erkenntnismöglichkeit geführt. Das Unentscheidbarkeitstheorem K. GÖDELS zeigt, dass es nicht einmal in der Mathematik möglich ist, einigermaßen komplexe Systeme voll im Griff zu behalten. Die Unschärferelation W. HEISENBERGS (Unmöglichkeit der gleichzeitigen beliebig genauen Messung von Ort und Impuls eines Teilchens) und die Zufallsschwankungen der Elementarvorgänge bringen grundlegende Unbe- stimmtheiten in das Verhalten der einzelnen Atome und Moleküle. Dass zudem sogar unter rein deterministischen Voraussetzungen die kleinsten Unterschiede in den Ausgangsbedingungen sich zu makroskopisch bedeutsamen Un- terschieden in den Zuständen mathematischer oder physikalischer Systeme auswachsen können, hat die Untersuchung der sogenannten Chaos-Vorgänge gezeigt. Wenn Gott nur schon den Ablauf sämtlicher Elementarvorgänge leiten würde, hätte er ausnahmslos alles Geschehen in seiner Hand, das erklärbare" und das unbekannte, ohne dass die Wis- senschaft je ein Eingreifen" nachweisen könnte. Da es in der Genetik und Molekularbiologie oft um Vorgänge an einzelnen Molekülen geht, also Elementarvorgänge, ist man gezwungen, Wahrscheinlichkeitsmodelle aufzustellen. Wenn man im naturwissenschaftlichen Zusammenhang von Wahrscheinlichkeit oder Zufall spricht, will man nur sagen, man habe keine Möglichkeit, das Eintreffen eines bestimmten Elementarvorgangs zu erklären oder seine Bedingtheit auch nur zu untersuchen. Die Aussage aber, es stehe nichts" hinter diesem Elementarvorgang oder hinter diesem Zufall", ist keine naturwissenschaftliche, sondern eine atheistische, also religiöse Behauptung. Die wissenschaftliche Bezeichnung eines Ereignisses als zufällig und die religiöse Aussage eines göttlichen Eingreifens sind komplementäre Aussagen über die gleiche Realität, die sich in keinerlei Weise widersprechen. Ob die religiöse Aussage der Realität entspricht, kann die Wissenschaft gar nicht un- tersuchen. Aber auch jeglicher göttliche Eingriff auf der makroskopischen Ebene wäre als etwas Einmaliges nur der geschichtli- chen oder gerichtlichen Methodik der Untersuchung von Indizienbeweisen und Zeugenaussagen zugänglich, nicht aber naturwissenschaftlichem Experimentieren und Modellieren, die auf Wiederholbarkeit angewiesen sind. Ein mögliches göttliches Eingreifen beinhaltet keinesfalls die Idee eines Lückenbüßer-Gottes", dessen Kompetenz- bereich mit wachsender wissenschaftlicher Erkenntnis abnehmen würde. Wenn Universum und Leben das Werk eines Schöpfers sind, geht es nicht an, dessen Einwirkungsmöglichkeiten auf die ursprüngliche Setzung der Naturgesetze, die grundsätzlich nicht nachweisbare Steuerung von Elementarvorgängen im ultramikroskopischen Bereich und auf Wunder" zu beschränken. Auch das durch Naturgesetze beschriebene Geschehen ist völlig unter der Kontrolle des biblischen Gottes: die Naturgesetze" stellen eigentlich nichts anderes dar als eine wissenschaftliche Beschreibung von Gottes normalem Handeln. Sie bezeugen seine Treue, nicht seine Abwesenheit. Wie aber will ein Atheist die Herkunft der für das Leben nötigen funktionalen Information erklären oder auch nur die Möglichkeit einer spontanen Entstehung solcher Information plausibel machen? Eine wissenschaftliche Stützung der Behauptung, der Glaube an eine spontane Lebensentstehung und Makroevolution sei vernünftig, ist jedenfalls vorläufig noch bei weitem nicht in Sicht trotz aller Bemühungen hervorragender Wissenschaftler. Ist etwa die Un- verfrorenheit, mit welcher manche Wissenschaftler und insbesondere auch Wissenschaftsjournalisten die soge- nannte Tatsache" der Evolution propagieren, letztlich ein philosophisch-religiös bedingter Kurzschlussmechanismus, ein lautes Übertönen der existentiellen Verzweiflung ihres eigenen Herzens? Jedenfalls führen sie nicht nur sich selbst irre, sondern die ganze Öffentlichkeit, einschließlich der Fachleute anderer Disziplinen, die sich auf ihre Behauptungen abstützen. Die einzige wissenschaftlich saubere Haltung, die nicht in unzulässiger Weise autoritative Fachkompetenz mit meist unterschwelligen religiösen Grundvoraussetzungen mischt, ist heute der Verzicht auf globale Erklärungsversuche des Lebens. Der Neodarwinismus ist bis auf weiteres ein völliges Fiasko. Wir haben einfach vorläufig keine Ahnung, wie das Leben und die Vielfalt der Lebensformen zustande gekommen sind. Die Evolutionstheorie mag denen, die es wün- schen, weiterhin als metaphysisches Forschungsprogramm dienen. Aber sie sollen sie unzweideutig als solches dekla- rieren und auf jegliche weltanschaulich-religiöse Demagogie im Namen der Wissenschaft verzichten! Das atheistisch- darwinistische Glaubensbekenntnis hat auf der wissenschaftlichen Ebene keinerlei Vorrang vor anderen Schöp- fungsphilosophien. Seine Erklärungskraft ist nicht größer, sondern beschränkter als diejenige von theistischen Thesen. Literaturhinweise Die Referenzen sind unter dem hauptsächlich betroffenen Abschnitt eingereiht, haben aber oft auch mit anderen Abschnitten zu tun. Innerhalb der Abschnitte sind sie nach Jahr und Veröffentlichung geordnet, nicht thematisch. Es wird hier aus Platzgründen nur eine Auswahl relevanter neuerer Arbeiten zitiert. Die Referenzen der früheren Ausgabe dieser Porta-Studie werden nicht wiederholt. Diese Arbeit wurde 1992 zur Hauptsache abgeschlossen. Verzögerungen der Veröffentlichung ergaben aber die Möglichkeit, 1996 noch geringfügige punktuelle Ergänzungen anzubringen, die aber nur sehr wenig der neueren Literatur abdecken. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Eine sehr gute Abhandlung über philosophische Anthropologie von Dr. phil. Peter Heintel mit Textmaterial und Arbeitsanweisungen samt Fragen für den Unterricht; aber auch gut zum Selbststudium und für den Überblick geeignet unter >> diesem Link | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Die vielfältigen Wege der Evolution. Frankfurt/M. S. Fischer, 1998, 287 S. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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