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Freeman Dyson:
Ich fühle mich nicht fremd in diesem Universum. Je länger ich es betrachte und seine Konstruktion studiere, desto mehr sehe ich bewiesen, daß das Universum von unserer Ankunft gewußt haben muß.
Paul Davies fasst seine Meinung als Physiker wie folgt zusammen < Der Plan Gottes> S.280

In diesem Buch war mein Hauptthema, daß wir Menschen mit Hilfe der Naturwissenschaft zumindest einige der Geheimnisse der Natur erfassen können. Wir haben einen Teil des kosmischen Codes entschlüsselt. Warum dies so ist, warum gerade Homo sapiens den Funken der Vernunft tragen sollte, die den Schlüssel zur Welt liefert, ist ein tiefes Rätsel. Wir, die Kinder des Universums – belebter Sternenstaub -, können doch eben über dieses Universum nachdenken und sogar Einblick in die Regeln erhaschen, nach denen es abläuft. Wie wir mit dieser kosmischen Dimension verbunden wurden, ist ein Geheimnis. Aber die Verbindung läßt sich nicht leugnen.
Was bedeutet das? Was ist der Mensch, daß er diese Gunst genießt? Ich kann nicht glauben, daß unsere Existenz in diesem Weltall eine Laune des Schicksals ist, ein historischer Zufall, ein kleines Versehen in dem großen kosmischen Drama. Wir sind zu beteiligt. Die Spezies Homo zählt vielleicht nicht, aber die Existenz von Geist und Verstand in einem Lebewesen auf einem Planeten im Weltall ist sicherlich eine höchst bedeutungsvolle Tatsache. Durch bewußte Wesen wurde im Universum Bewußtsein erzeugt. Dies kann keine triviale Einzelheit sein, kein unwichtiges Nebenprodukt sinnloser, zielloser Kräfte.

Prof. Hägele:
Und es ist auch eine theistische Deutung möglich: Ein genialer Designer, ein Schöpfergott hat unser Universum nach seinem Plan so gemacht und vorbereitet, daß Leben entstehen konnte und bestehen kann. Die Naturgesetze, Konstanten und Randbedingungen haben einen Sinn im Hinblick auf das Ziel, daß Leben möglich wird. Der Theologe W. PANNENBERG formuliert aus der Sicht des Christen:

"Die Zufälligkeit der Naturkonstanten kann ich als Wahl zu meinen Gunsten deuten."
Ein interessanter Link in diesem Zusammenhang ist das <Zentrum für Weisheit, Kommunikation und Wissen>. Es bietet Texte, die ein neues, ungewohntes Reden von Gott entfalten, das mystische Elemente einbezieht. Auf dieser Page habe ich vom Anthropischen Prinzip nichts gefunden. Gleichwohl scheinen mir die Versuche, Gott neu und anders zu denken bzw. zu glauben, in eine Richtung zu weisen, die mit den Erkenntnissen des Anthropischen Prinzips überein stimmen.
H.M. Enzensberger

Kopf und Universum

Die unvermutete Brauchbarkeit mathematischer Modelle hat etwas Verblüffendes. Es ist keineswegs klar, warum höchst präzise Hirngespinste, die fern von aller Empirie, gewissermäßen als l'art pour l'art, erdacht worden sind, derart geeignet sind, die reale Welt, so wie sie uns gegeben ist, zu erklären und zu manipulieren. Mehr als einer hat sich über "the unreasonable effectiveness of mathematics" gewundert. Für gläubigere Zeiten war diese prästabilierte Harmonie kein Problem: Leibniz konnte noch in aller Ruhe behaupten, mit Hilfe der Mathematik könnten wir "einen erfreulichen Einblick in die göttlichen Ideen gewinnen", einfach deshalb, weil der Allmächtige persönlich der erste Mathematiker war. Heute tun sich die Philosophen damit erheblich schwerer. Der alte Streit zwischen Platonikern, Formalisten und Konstruktivisten scheint mit einem matten Unentschieden zu versanden. Die Mathematiker kümmern sich in ihrer Praxis kaum um solche Fragen. Eine naheliegende Erklärung, die sich allerdings bei den Hütern der Tradition keiner großen Beliebtheit erfreut, könnte man darin sehen, daß es ein und dieselben Evolutionsprozesse sind, die das Universum und unser Gehirn hervorgebracht haben, so daß ein schwaches anthropisches Prinzip dafür sorgt, daß wir dieselben Spielregeln in der physischen Realität und in unserem Denken wiederfinden

Professor Zoeller- Greer

entscheidet sich für das DAP (Divine Anthropic Principle). Alle anderen Interpretationen des AP lehnt er ab wegen der ihnen innewohnenden Tendenz zum Pantheismus. Seiner Argumentation liegt das traditionelle biblische Gottesverständnis zu Grunde. Sehr lesenswert, weil für Laien verständlich ausgeführt, ist seine Abhandlung über Quantenphysik mit guten Grafiken.
Über seine Kernthese lässt sich streiten. Ich sehe als Theologe keinen prinzipiellen Widerspruch zwischen pantheistischen Denkansätzen und der biblischen Gottesvorstellung(das Wort wurde Fleisch; Gott der Schöpfer geht im Symbol des Sohnes in die Welt ein; Gott als Geist ist ein Symbol für Immanenz; siehe auch : Moltmann, Gott in der Schöpfung), in so fern man Gott nicht vollständig mit der Natur oder dem Kosmos identifiziert. Denn in diesem Fall könnte man den Begriff <Gott> gleich ganz weg lassen. Er wird schlicht überflüssig, wie es leider in der europäischen Wissenschaftsgeschichte geschehen ist in einer einseitigen Interpretation von Spinozas <Deus sive Natura> (man entschied sich für die Natur, deren Göttlichkeit immer nebensächlicher wurde). Bessere Alternativen: Polyentheismus oder Panentheismus, bei denen Gott immer noch deutlich von der Natur unterschieden bleibt wie es übrigens für Spinoza auch noch selbstverständlich war (Gott ist die Substanz, die alles hervor bringt)
Keiner, der sich für eine Interpretation des AP interessiert, sollte sich
diesen Link entgehen lassen.
Gregory Benford thematisiert in seinem futuristischen Roman <Cosm> ebenfalls das AP
Zitat aus dem Roman
Folgende interessante Deutung fand ich im WEB unter diesem Link

- Kann man das anthropische Prinzip auch umkehren und sagen, erst durch Beobachter wird die (jeweilige) Welt? Elementarteilchen/Quanten weisen eine Überlagerung (Superposition, Wahrscheinlichkeit) zweier reiner Zustände auf und erst durch eine Beobachtung (Meßung) ergeben sich definierte Werte!


Das wäre das SAP (starkes Anthropisches Prinzip)
Dazu passt das
Zitat von Guitton, wobei hier allerdings der Schöpfer des Universums sich im Erkennen des Geistes widerspiegelt.
Prof. Walter Weiss ordnet das Anthropische Prinzip unter der dictio, also der Weltvernunft ein. Er geht in seinem Aufsatz nur kurz auf das AP ein.
Hans Queiser leitet aus dem AP in seinem Buch <Zwischen Urknall und Sternenreise> einen moralischen Anspruch an den Menschen ab und rückt es in die Nähe der Religion.
Lee Smolin versucht in fragwürdiger Weise das AP in seiner Anstößigkeit zu glätten, indem er eine Art <kosmischen Darwinismus> einführt (Verstoß gegen Occams Rasiermesser und gegen das Falsifikationsprinzip)

Er behauptet, dass bei der Implosion von Sonnen zu Schwarzen Löchern jedes
Mal ein neues Universum entstünde. Schwarze Löcher wären in Wirklichkeit die
Außenseiten anderer Universen. Diese Annahme bedeutet nichts anderes, als dass laufend und in ungeheurerer Zahl neue Universen entstünden. Elegant ist dabei seine Überlegung zu den Naturkonstanten: Für Schwarze Löcher postuliert Lee Smolin das Darwinsche Prinzip der Selektion. Die Naturkonstanten können in jedem Schwarzen Loch zu anderen Werten mutieren! Aber, diejenigen neuen Universen, in denen sich besonders viele neue Schwarze Löcher bilden können, haben einen Selektionsvorsprung. Entwickelt sich einUniversum mit Naturkonstanten, die die Bildung von Schwarzen Löchern erst gar nicht
zulassen, weil beispielsweise die Gravitationskonstante zu klein ist, wird sich dieses
Universum gewissermaßen nicht fortpflanzen. Andersherum wird dasjenige Universum, das besonders dafür feinabgestimmt ist, viele Schwarze Löcher zu produzieren, eine große Zahl an ähnlichen Universen hervorbringen.Dies sind aber genau die Universen mit besonders vielen Sternen, also Universen mit den
besten Voraussetzungen dafür, dass dort auch Lebewesen entstehen können.Diese
Theorie würde die Frage nach der Vergänglichkeit der Existenz von Leben von der
Entwicklung unseres beobachtbaren Universums gänzlich abkoppeln. Bemerkenswert ist nebenbei, dass sich damit der Evolutionsbegriff auf das Universum selbst ausdehnen lässt.Wenn Universen neue Universen hervorbringen, sind Begriffe wie Vererbung und Mutation sowie die natürliche Auslese im Rahmen einer physikalischen Theorie anwendbar. Und die Gesetze der Evolution ständen damit, wie scheinbar auch die Gesetze der Physik, außerhalb unseres Kosmos als grundlegendes Prinzip zur Verfügung.

Quelle: Dr. Manzel, Das Evangelium der Naturwissenschaften
Dr. Manzel ersetzt in seinem Buch "Das Evangelium der Naturwissenschaften" das Anthropische Prinzip durch das "Theoische Prinzip". Gott ist eine notwendige Bedingung für die Existenz dieses Universums, zum einen als Schöpfer, zum anderen als evolutives Endprodukt der Geschichte des Universums. Gott erschafft sich selbst durch Selbstbezüglichkeit des Universums. Die Menschheit ist nur eine Zwischenstation >zur vollständigen Rezension
 
Dr.Manzel, Das Evangelium der Naturwissenschaften, Seite 231:
Der Satz: „Das Universum erschafft sich selbst" ist meiner Ansicht nach die einzige logische Möglichkeit, wenn man das Universum als das Allumfassende definiert. So, wie eine Zelle den Bauplan für eine Zelle enthält, und dieser Bauplan durch die Evolution entstand, genauso enthält das Universum seinen eigenen Bauplan und einen Bauherren, der aus der Evolution hervorgeht.
Wäre es nicht denkbar, dass dieses Universum so wurde, wie wir es vorfinden, weil es an seiner eigenen Entstehung mitgewirkt hat [...]? fragt Lee Smolin, wenn auch bezogen auf eine andere Theorie. [...] Wenn sich ein solches Bild entwerfen ließe, so fährt er fort, könnten wir die auf allen Skalen vorhandenen Strukturen und Phänomene in diesem Universum verstehen, und zwar nicht als einen außerordentlichen Zufall, durch den eine
fundamentale Theorie so präzise vorgegeben wurde, sondern einfach als einen Beweis dafür, dass der Schöpfer dieses Universums in nicht mehr und nicht weniger als dem zufälligen und statistischen Prozess seiner eigenen Selbstorganisation besteht.

Mir erscheint ein zufälliger Prozess als unzureichend dafür, den Kosmos zu erklären. Ich definiere diesen Selbstorganisationsprozess als Gott. Denn nicht eine unpersönliche mathematische Rekursion, eine physikalische Theorie, sondern erst eine Person als Stifter eines moralischen Prinzips ist in der Lage, dem Kosmos einen hinreichenden Sinn zu verleihen. Im Grunde ist dies grotesk: Keine Pizza wird gebacken, wenn sie nicht in Auftrag gegeben wurde, und ausgerechnet vom Universum behaupten die Naturwissenschaftler tapfer, dass das nur so passiert ist, da denken wir uns mal nichts dabei. Mit der Computertheorie des Geistes, so schreibt Steven Pinker, haben wir also in unseren Erklärungen Platz für Überzeugungen und Wünsche, und gleichzeitig verpflanzen
wir sie geradewegs in das physikalische Universum. Sie sorgt dafür, dass Bedeutung etwas verursacht und selbst verursacht werden kann.
8 Steven Pinker hat dies in einem anderen Zusammenhang geschrieben, aber diese Ausführung passt wunderbar zur Selbstbezüglichkeit Gottes.Frank Tiplers Postulat, dass das Universum die Fähigkeit hat, das Leben auf ewig zu bewahren, geht nicht weit genug und bleibt deswegen lediglich ein Postulat. Erst wenn wir das Postulat mit der Frage der Entstehung des Universums verknüpfen, ergibt sich eine
konsistente Theorie: Gott ist eine notwendige Konsequenz, um das Universum entstehen zu lassen. Das anthropische Prinzip weist darauf hin, dass die Feinabstimmungen der Naturkonstanten genau so sind, dass Leben entstehen kann. Das anthropische Prinzip wird zurecht als anthropozentrisch gescholten. Als „Theoisches Prinzip" verschwindet diese Menschheitsfixierung und das Prinzip bekommt einen zusätzlichen Sinn als notwendige Voraussetzung für den Kosmos: Gott wählt bei seinem Schöpfungsakt die Naturkonstanten genau so, dass er selbst entstehen kann, als Folge des sich entwickelnden Lebens, von dem wir Menschen Teil sind.
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