Roman
von Gregory Benford
Futuristischer Inhalt, basierend auf einer Annahme des Astrophysikers Alan Guth, dem zu Folge bei genügend hoher Energiekonzentration auf engstem Raum eine neue Raumzeit erschaffen werden könnte, also ein neues Universum. Der Roman handelt von einer Elementarteilchenphysikerin, die in einem Teilchenbeschleuniger bei einem Experiment mit Urankernen ungewollt ein anderes Universum erschafft, das in Relation zur Laborzeit viel rascher altert. Sie steht durch den Cosm, einer Kugel am Ende einer Raumzeit-Verzerrung, mit diesem neuen Universum in Verbindung. Viele (verstehbare) wissenschaftliche Erläuterungen in Bezug auf Kosmologie, Quantenphysik, Raumzeitphänomen usw. Darüber hinaus viel Crime (wem gehört der Cosm?), Spannungen zwischen theoretischen und Experimentalphysikern, detaillierte Beschreibung des Physikeralltags.

In der folgenden Leseprobe geht es im Dialog zwischen Max, einem theoretischen Physiker vom Caltech und Alicia, der Schöpferin des Cosm, während der Betrachtung des neuen Universums, wie es in rasanter Geschwindigkeit Galaxien und Sterne entwickelt, um die Frage, wer oder was unser Universum erschaffen hat.


<Alicia, wir sind selbst in unserer Kosmologie mit den Fragen noch lange nicht am Ende. Daß es uns überhaupt gibt, verdanken wir einer ganzen Kette von Zufällen, die haargenau zusammentreffen mußten. Wenn das Gleichgewicht zwischen Materie und Antimaterie, die beide irgendwie den Urknall überstanden hatten, nicht um ein Teilchen in einer Milliarde gestört gewesen wäre, dann würde hier nur Licht umherflitzen und nichts sonst. Und wenn die Kerne nicht sehr viel mehr Masse hätten als die Elektronen, von denen sie umkreist und zu Atomen gemacht werden, dann gäbe es keine stabilen Strukturen. Wusch! Das gleiche gälte, wenn die Ladung der Elektronen der Ladung der Protonen nicht ganz genau entspräche. Und das ist alles noch Kernphysik! Dazu kommt: wenn die Expansion des Universums und die gravitationelle Anziehung der darin befindlichen Materie nicht so eng beieinanderlägen, daß die lokale Schwerkraft trotz der anhaltenden Expansion alles zusammenhalten kann...>
Sie mußte lachen. <Jetzt sind Sie aber in Fahrt.>
Ein spöttisches Kichern drang aus dem Dunkel.
<Nun ja, die Argumente reichen bis zu so prosaischen Erscheinungen wie dem Eis, das auf dem Wasser schwimmt und ihm im Gegensatz zu allen anderen, normalen Flüssigkeiten eine Schutzschicht gibt. Unter dem Eis können die Lebewesen in den Seen den Winter überdauern. Selbst das könnte eine Grundvoraussetzung dafür gewesen sein, daß sich das Leben in diesem Universum halten konnte.>
<Ich verstehe...> Einfach reden lassen.
<Exaktes Zusammentreffen, wohin man auch schaut! Ich zerbreche mir seit Wochen den Kopf darüber, wie ich ausdrücken kann, was der Cosm eigentlich ist, und immer wieder komme ich zu der gleichen Grunderkenntnis, daß ich nicht einmal weiß, warum unser eigenes Universum so gut funktioniert.>
Wenn er sich über ein derart abstraktes Problem so erregte, hatte er vermutlich viel Zeit investiert, ohne einer Lösung näherzukommen. Sie streichelte seinen Arm, ohne den Blick von der Kugel und ihren immerwährenden Lichtspielen zu wenden.
<Ein Universum könnte also auch existieren, ohne alle diese Bedingungen zu erfüllen, aber dann gäbe es kein denkendes Wesen, das diese Existenz bezeugen könnte.>
<Und deshalb fragt sich der Kosmologe, woher der exakte Entwurf für unser Universum kommt. War vielleicht doch ein großer Planer am Werk? Wir Kosmologen reden viel über Gott, aber wir können nicht erwarten, daß ER unsere Probleme löst. Ich habe versucht, einen allgemeinen Ansatz zu finden, aber ...> Er brach frustriert ab.