Ludwig Feuerbach 1804 – 1872

Engels empfand ihn als Befreiung.

1)GottStudium der Theologie in Berlin
2)VernunftStudium bei Hegel
3)MenschPromotion u. Habil. In Erlangen: Atheist

Veröffentlichung unter Pseudonym: "Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" Glaube an Unsterblichkeit = Egoismus
Schrift wird verboten, F. als Autor entlarvt

1836 Rückzug von der UNI, Bemühungen um eine erneute Professur scheitern.
Die Heirat einer Fabrikantentochter machte ihn zu einem Privatgelehrten, im geräumigen Zimmer eines Schlosses arbeitend.
Religion und Philosophie, Vernunft und Glaube stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Theologie ist keine Wissenschaft
Strauss
ebenfalls Linkshegelianer, verdarb sich auch die Karriere, Idee des Gottmenschen Jesus gilt für die gesamte Menschheit.

1841 Wesen des Christentums: "das Bewußtsein des Unendlichen ist nichts anderes als das Bewußtsein von der Unendlichkeit des Bewußtseins." Der Mensch stellt sein menschliches Wesen aus sich heraus.Er sieht es als etwas außer sich Existierendes und von sich Getrenntes an. Er projiziert es als selbständige Gestalt an den Himmel und nennt es Gott.

Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde

Religion = Selbstanbetung des Menschen
. Er kehrt den hegelschen Ansatz exakt um. Deswegen Linkshegelianer (Aufhebung der Religion = Abschaffung)


Religion = Selbstentäußerung/ Selbstentfremdung des Menschen, nicht Gottes, wie noch Hegel meinte

"... die Menschen aus Theologen zu Anthropologen ... aus Kandidaten des Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus religiösen und politischen Kammerdienern der himmlischen und irdischen Monarchie und Aristokratie zu freien, selbstbewußten Bürgern der Erde zu machen."

Die Zeit des Christentums sei unwiderruflich abgelaufen. Marx und Stirner sind gegen Feuerbach wegen seiner allgemeinen Menschennatur.

Nach 1848 geriet F. in Vergessenheit, weil seine Popularität mit der Revolution verbunden war. Er verweigerte jedoch den revol. Kampf mit Struve in Baden und hielt in Heidelberg im Rathaus (wegen des UNI – Verbots) Vorlesungen über das Wesen der Religion, und fand unter Arbeitern viele Zuhörer.

Der Atheismus ist der wahre Humanismus.

Nach dem Bankrott der Porzellanfabrik seiner Frau muß er mit Frau und Tochter sein Studierzimmer, in dem er 24 Jahre gearbeitet hatte, verlassen und bezog eine Mietwohnung. Er starb in bitterster Armut durch Schlaganfälle geschwächt.
 
Hans Küng, Existiert Gott?, über Feuerbach, Seite 242f

Ist diese psychologisch begründete Projektionstheorie nicht mehr als plausibel? Man hätte es nie bestreiten dürfen: Auch der Gottesglaube läßt sich psychologisch deuten, sogar ableiten! Psychologisch gesehen sind die von Feuerbach angenommenen Kräfte und Funktionen beim Gottesglauben und bei der Religion unzweifelhaft beteiligt. Niemand kann in Abrede stellen, daß das Abhängigkeitsgefühl, daß verschiedenste Wünsche und Bedürfnisse, daß erst recht der Glückseligkeits- und der Selbsterhaltungstrieb in der Religion eine grundlegende Rolle spielen. Zugleich muß zugegeben werden, daß bei jedem Erkennen auch die Vorstellungskraft mitspielt, daß ich jeden und jedes auf meine eigene Weise erkenne und daß ich so bei jeder Erkenntnis auch etwas von mir selbst in den Gegenstand meines Erkennens hineinlege, hineinprojiziere. Man muß geradezu betonen: Hoffentlich sind bei der Erkenntnis Gottes nicht nur der Verstand, sondern auch das Herz, der ganze Mensch beteiligt ...
Nun drängen sich auch hier unabweisbare Gegenfragen auf: Sagt die psychologische Erklärung schon alles über das sehr vielschichtige Phänomen <Gottesglaube>? Ist mit der Anerkennung der Tatsache, daß psychologische Faktoren beim Gottesglauben eine nicht unbedeutende Rolle spielen, schon ausgeschlossen, daß diese psychologischen Faktoren auf ein reales Objekt, eine Wirklichkeit zielen? ...
Konkreter gefragt: Könnten unser Abhängigkeitsgefühl und unser Selbsterhaltungstrieb nicht einen sehr realen Grund, könnte unser Glückseligkeitsstreben nicht ein sehr reales Ziel haben? Und wenn ich, wie bei jeder Erkenntnis so auch in der Gotteserkenntnis, viel von meinem Eigenen in den Gegenstand hineinlege, hineinprojiziere, ist denn damit schon erwiesen, daß dieser Gegenstand nur meine Projektion ist: nur meine Einbildung und sonst nichts? ...
Ist, wenn ich menschlich von Gott rede, der Gott, von dem ich menschlich rede, nur etwas Menschliches? ...
<Wenn die Götter Wunschwesen sind, so folgt daraus für ihre Existenz oder Nicht-Existenz gar nichts> führt E.von Hartmann aus: <Nun ist es ganz richtig, daß darum etwas noch nicht existiert, weil man es wünscht; aber es ist nicht richtig, daß darum etwas nicht existieren könne, weil man es wünscht. Feuerbachs ganze Religionskritik und der ganze Beweis für seinen Atheismus beruht jedoch auf diesem einzigen Schluß, d.h. auf einem logischen Fehlschluß.> ... Ich kann auch meine Welterfahrung psychologisch ableiten, aber das sagt doch nichts gegen die Existenz einer von mir unabhängigen Welt - als dem Bezugspunkt meiner Erfahrungen. Und ich kann meine Gotteserfahrung psychologisch ableiten, aber das sagt doch nichts gegen die Existenz eines von mir unabhängigen Gottes - als dem Bezugspunkt all meiner Bedürfnisse und Wünsche. Kurz: meiner psychologischen Erfahrung kann in Wirklichkeit durchaus etwas Wirkliches entsprechen; dem Wunsch nach Gott kann durchaus ein wirklicher Gott entsprechen.
Man kann sich der Schlußfolgerung nicht entziehen: Feuerbachs Atheismus bleibt ... ein reines Postulat!