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Text- und Arbeitsblatt zu Hegel : (Antrittsvorlesung Berlin 1818) "Von der Größe und Macht des Geistes kann er (der Mensch) nicht groß genug denken; das verschlossene Wesen des Universums hat keine Kraft in sich, welche dem Mute des Erkennens Widerstand leisten könnte; es muß sich vor ihm auftun und seinen Reichtum und seine Tiefen ihm vor Augen legen und zum Genusse bringen..." Welches Weltverständnis drückt sich in dieser Äüßerung Hegels aus? Welche geistesgeschichtlichen Vorgänge werden Hegel zu dieser Äußerung veranlaßt haben? Hegels Religionsphilosophie: "Der Inhalt der christlichen Religion als der höchsten Entwicklungsstufe der Religion überhaupt fällt ganz und gar zusammen mit dem Inhalt der wahren Philosophie. Die ganze Philosophie ist nichts anderes als der Beweis der Wahrheit, um die sich das Christentum dreht: daß Gott Liebe, Geist, Substanz, Subjekt und ewig in sich zurückkehrender Prozess sei ... Der Mensch weiß nur von Gott, insofern Gott im Menschen von sich selbst weiß; dies Wissen ist Selbstbewußtsein Gottes, aber ebenso ein Wissen desselben vom Menschen, und dies Wissen Gottes vom Menschen ist Wissen des Menschen von Gott; der Geist des Menschen, von Gott zu wissen, ist nur der Geist Gottes selbst." Beschreibe das Gottesverständnis Hegels mit Deinen Worten! Vergleiche es a) mit dem platonischen und b) mit dem christlichen Verständnis von Gott! Liste die Unterschiede auf und versuche sie im Zusammenhang der Hegel`schen Philosophie zu erklären! Hegels Dialektik (These-Antithese-Synthese) verfolgt das Ziel der Versöhnung der Gegensätze. ZB. Herr Knecht; Subjekt Objekt; Diesseits Jenseits (oder Erde Himmel) Mache an den Begriffspaaren deutlich, worin die Versöhnung konkret bestehen könnte bzw. ob sie überhaupt möglich ist! Bringe die Versöhnung der letzten beiden Begriffspaare mit seiner Gotteslehre in Verbindung! Mit Blick auf die Weltgeschichte: Die Vernunft beherrscht die Weltgeschichte. Der Gang der Weltgeschichte ist ein sinnvolles,zweckgerichtetes Geschehen. Der Weltgeist bedient sich welthistorischer Persönlichkeiten. Obwohl sie ihre persönlichen oder staatlichen Zwecke verfolgen, sind sie "Geschäftsführer des Weltgeistes" ... "Was sie tun, ist das Rechte. Die anderen müssen ihnen gehorchen, weil sie das fühlen." Die Individuen werden preisgegeben. Ihre Freiheit besteht in der Vernichtung der willkürlichen Vereinzelung und in der Eingliederung in ein allgemeines sittliches Ganzes. "Die Weltgeschichte ist nicht der Boden des Glücks. Die Perioden des Glücks sind leere Blätter in ihr." Verhältnis Kirche Staat: "Der Kultus gelangt zu seiner vollen Wahrheit erst in seiner Gestaltung zur Sittlichkeit. Erst der Staat ist der vollendete Gottesdienst. Wie sich die Philosophie zur Religion, so verhält sich der Staat zur Kirche." Diskutiert seine Auffassung zur Weltgeschichte und zum Staat unter den Aspekten: Der einzelne und der Staat/ Bedeutung der Machthaber Vergleicht seine Auffassung zum Glück mit der des Sokrates! Bildet Euch ein Urteil über seine Einstellung zum Verhältnis Staat-Kirche! Vergleicht mit dem heute gültigen Verhältnis zwischen Staat und Kirche! | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Hegel gegen Kant, der behauptet hat, das Ding an sich sei nicht erkennbar und alle bis dahin bekannten Gottesbeweise in seiner Kritik der reinen Vernunft widerlegte, und gegen die sich in der Religion ausbreitende Gefühlsduselei (Schleiermacher definierte den Glauben an Gott als das Gefühl der <schlechthinnigen Abhängigkeit> | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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So ist das, was von jeher als das Schmählichste, Unwürdigste gegolten hat, der Erkenntnis der Wahrheit zu entsagen, von unseren Zeiten zum höchsten Triumphe des Geistes erhoben worden. ... Aber selbst in Deutschland ist die Flachheit der frühern Zeit vor seiner Wiedergeburt so weit gekommen, daß sie gefunden und bewiesen zu haben meinte und versicherte, es gebe keine Erkenntnis der Wahrheit , Gott, das Wesen der Welt und des Geistes sei ein Unbegreifliches, Unfaßbares; der Geist müsse bei der Religion stehen bleiben, und die Religion beim Glauben, Gefühl und Ahnden, ohne vernünftiges Wissen..." "Was im Leben wahr und groß und göttlich ist, ist es durch die Idee; das Ziel der Philosophie ist, sie in ihrer wahrhaften Gestalt und Allgemeinheit zu erfassen." In der Auseinandersetzung mit Schleiermacher, dem damaligen Rektor der Berliner Universität (Das Gefühl dürfe überhaupt nicht, also auch nicht für die Religion, zum Prinzip erhoben werden.) "Selbst daß jenes natürliche Gefühl ein Gefühl des Göttlichen sei, liegt nicht im Gefühl als natürlichem. Das Göttliche ist nur im und für den Geist... Soll das Gefühl die Grundbestimmung des Wesens des Menschen ausmachen, so ist er dem Tiere gleichgesetzt, denn das Eigene des Tieres ist es, das, was seine Bestimmung ist, in dem Gefühl zu haben und dem Gefühl gemäß zu leben. Gründet sich die Religion im Menschen nur auf ein Gefühl, so hat solches richtig keine weitere Bestimmung, als das Gefühl seiner Abhängigkeit zu sein, und so wäre der Hund der beste Christ, denn er trägt dies am stärksten in sich, und lebt vornehmlich in diesem Gefühl. Auch Erlösungsgefühle hat der Hund, wenn seinem Hunger durch einen Knochen Befriedigung wird. Der Geist hat aber viel mehr in der Religion seine Befreiung und das Gefühl seiner göttlichen Freiheit; nur der freie Geist hat Religion ... In den schlechtesten Religionen, und dies sind solche, in welchen die Knechtschaft und damit der Aberglaube am mächtigsten ist, ist für den Menschen in der Erhebung zu Gott der Ort, wo er seine Freiheit, Unendlichkeit, Allgemeinheit, d.i. das Höhere, was nicht aus dem Gefühl als solchem, sondern aus dem Geiste stammt, fühlt, anschaut, genießt ... Die Religion befreit den Menschen von der Last seiner selbst; sie befreit ihn aber auch von dem Wahn, in Gott ein ihm fremdes Wesen sich gegenüber zu haben. Sich durch Gott bestimmen zu lassen, ist eben so viel, als sich durch sein eigenes, nicht zufälliges, sondern notwendiges Wesen bestimmen." | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Kommentar Das sind wahrhaft markige Worte von Hegel! Von ihm stammt auch der Ausspruch, dass ein Katholik sich vor einer Maus bekreuzigen müsse, die eine konsekrierte Hostie gefressen habe. Mit Recht lehnt er allen Aberglauben im Bereich von Kirche und Glaubenspraxis ab und hat damit nur konsequent das neue Testament ausgelegt. Die dialektische Theologie (Barth, Bultmann) bricht nach dem ersten Weltkrieg radikal mit der Tradition Hegels, indem sie auf Gott als den prinzipiell unerkennbaren und ganz anderen verweist und die Analogia entis (die Verwandtschaft aller Dinge), die für Hegels Gottesverständnis ganz zentral ist, nach meiner Meinung zu schroff ablehnt. Gleichwohl sind Aussagen Hegels, den preussischen Staat betreffend, unhaltbar; sie hatten eine verheerende Wirkungsgeschichte. U.a. bezeichnete er den preussischen Staat als den <wahrhaftigen Gottesdienst>. Dennoch ist Hegel für mich keineswegs <out>. Deswegen behandele ich seine Gottesvorstellung auch gerne im Unterricht (nicht nur aus historischen oder geistesgeschichtlichen Gründen!). Ich entdecke heute allerorten einen Rückzug von Religion und Gotteslehre in den Bereich des Gefühls und der (frommen) Innerlichkeit. Damit ist die Gotteslehre bzw. der Glaube an Gott zur <Privatsache> geworden, zu einer Beliebigkeit, die man auch lassen kann, wenn man das für angebracht hält. Meine SchülerInnen bestätigen mir das Tag für Tag - so nach dem Motto: <Religion kann doch jeder> . Manche wundern sich, dass ich als Pfarrer überhaupt eine Universität besuchen musste. Die Konsequenz ist, dass sich jeder seinen Glauben patchworkartig selbst zurecht bastelt, ein bisschen Esoterik, Reinkarnation, Okkultismus, viel unerkannter Aberglaube und wenn man keine Lust mehr hat, dann lässt man halts bleiben. Diese Entwicklung hat die <Dialektische Theologie> weder gewollt noch voraus sehen können. Aber man sollte sich schon kritisch fragen: Ist man mit der totalen Ablehnung Hegels nicht über das Ziel hinaus geschossen? Vernunftkriterien zu entwickeln im Hinblick auf die Gottesfrage, Geschichte, Welt und Kosmos nicht von Gott, dem Schöpfer, fern zu halten, ist meines Erachtens heute dringender denn je. Denn wenn Gott in den genannten Bereichen nicht mehr aufzuweisen ist und in diesen Bereichen keine vernünftigen Aussagen mehr über Gott gemacht werden können, wird er in der Tat zu einer blossen Beliebigkeit, die man auch sein lassen kann. Fazit: Wenn das Hegel´sche System auch insgesamt in seiner Weitschweifigkeit kritikwürdig ist, vertrauen wir doch mit ihm auf die Macht der Vernunft und der Idee. Denn wenn wir Gott als den Schöpfer bekennen, ist er zweifellos auch der Urheber von Vernunft und Idee. Klaus Windhöfel | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Textgrafik : Theologische Reaktionen auf den Zerbruch des alten geozentrischen Weltbildes (Hegel, Spinoza, Deismus) Hegel ist der letzte Philosoph, der den dreieinigen Gott der Christenheit noch in seine Philosophie einbaut | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Zur Entwicklung des Weltgeistes und zum Verhältnis des Individuums zum Weltgeist: | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Phänomenologie des Geistes (Vorrede): Die Aufgabe aber, das Individuum von seinem ungebildeten Standpunkt aus zum Wissen zu führen, war in ihrem allgemeinen Sinn zu fassen, und das allgemeine Individuum, der Weltgeist, in seiner Bildung zu betrachten. - Was das Verhältnis beider betrifft, so zeigt sich in dem allgemeinen Individuum, jedes Moment, wie es die konkrete Form und eigne Gestaltung gewinnt. Das besondere Individuum aber ist der unvollständige Geist, eine konkrete Gestalt, deren ganzes Dasein einer Bestimmtheit zufällt, und worin die andern nur in verwischten Zügen vorhanden sind. In dem Geiste, der höher steht als ein anderer, ist das niedrigere konkrete Dasein zu einem unscheinbaren Momente herabgesunken; was vorher die Sache selbst war, ist nur noch eine Spur; ihre Gestalt ist eingehüllt und eine einfache Schattierung geworden. Diese Vergangenheit durchläuft das Individuum, dessen Substanz der höherstehende Geist ist, auf die Art, wie der eine höhere Wissenschaft vornimmt, die Vorbereitungskenntnisse, die er längst innehat, um sich ihren Inhalt gegenwärtig zu machen, durchgeht; er ruft die Erinnerung desselben zurück, ohne darin sein Interesse und Verweilen zu haben. So durchlauft jeder einzelne auch die Bildungsstufen des allgemeinen Geistes, aber als vom Geiste schon abgelegte Gestalten, als Stufen eines Wegs, der ausgearbeitet und geebnet ist; wie wir in Ansehung der Kenntnisse das, was in frühern Zeitaltern den reifen Geist der Männer beschäftigte, zu Kenntnissen, Übungen und selbst Spielen des Knabenalters herabgesunken sehen, und in dem pädagogischen Fortschreiten die wie im Schattenrisse nachgezeichnete Geschichte der Bildung der Welt erkennen werden. Dies vergangne Dasein ist schon erworbnes Eigentum des allgemeinen Geistes, der die Substanz des Individuums oder seine unorganische Natur ausmacht. - Die Bildung des Individuums in dieser Rücksicht besteht, von seiner Seite aus betrachtet, darin, daß es dies Vorhandne erwerbe, seine unorganische Natur in sich zehre und für sich in Besitz nehme. Dies ist aber ebensosehr nichts anders, als daß der allgemeine Geist oder die Substanz sich ihr Selbstbewußtsein gibt, oder ihr Werden und Reflexion in sich. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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