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zu den Buchbesprechungen zur Philosophie
>> siehe auch philosophische Aspekte der Quantentheorie >> siehe auch die Folien zum Verhältnis Materie und Geist
>> siehe auch: Eisenhardt, Kurth, Stiehl <Wie Neues entsteht
Die Wissenschaften des Komplexen und Fraktalen>

Fred Alan Wolf
Parallele Universen
ISBN 3-458-33941-8
>> Zum Thema siehe auch Peter Möller
Bewußtsein und Materie
<Ich glaube, Bewußtsein hat in einem klassischen physikalischen Universum keinen Platz (Anmerkung: gemeint ist das newtonsche Weltbild der Physik, das auf unterscheidbaren Größen wie Raum, Zeit und Kausalität beruht, wie wir es in der Schule gelernt haben). Es gehört nicht in ein Universum, das wie eine Maschine abläuft. Wenn es in einer solchen Welt Bewußtsein gäbe, wäre es in der Tat ein Nebenprodukt der Stofflichkeit - eine Erscheinung, die nicht mehr Bedeutung hat als ein im Raum schwebender Stein - es wäre in jeder Hinsicht tot.
Die Quantenphysik besagt, daß das, was wir zur Beobachtung auswählen, das beeinflußt, was wir beobachten. Daher haben wir in einer Quantenwelt eine Wahlmöglichkeit - und das ist für mich gleichbedeutend mit Bewußtsein. Damit es Bewußtsein gibt, muß es eine Wahl geben. Wie zeigen sich die Wahlmöglichkeiten? Dazu muß es Bewußtsein oder Geist oder Verstand geben. Anders gesagt gibt es also Widerspruchsfreiheit, wenn es dann, wenn es Bewußtsein gibt, auch Wahlmöglichkeiten gibt und es im Bewußtsein Wahlmöglichkeiten gibt. Bewußtsein gibt es meiner Meinung nach in parallelen Universen in Form flüchtiger Energie. Das Universum, das wir wahrnehmen, besteht aus der Überlappung solcher Energieblitze. Sie erzeugen genauso sicher, wie sie Materie erzeugen, auch Bewußtsein.
Seite 83f
Die Existenz von Materie und ihre Wahrnehmung sind ein und dasselbe

Kommentar: Eine exotisch klingende Deutung der Quantentheorie ist die Annahme paralleler Universen. Die Heisenbergsche Unschärferelation (1927) besagt, dass im subatomaren Bereich nie Impuls und Ort eines Teilchens gleichzeitig beliebig genau gemessen werden kann.
Das führt gemäß der klassischen Physik zu Paradoxien, weil ein Elektron sowohl als Welle wie auch als Teilchen aufgefasst werden kann. All die möglichen virtuellen Orte eines Teilchens werden ihr zufolge parallelen Universen zugeschrieben. Im Messakt spaltet sich das Bewusstsein des Beobachters in die parallelen Universen auf, ohne dass dies jedoch bemerkt werden könnte.
Diese Theorie impliziert, dass es mich unzählige Male (furchtbar!) in anderen Universen gibt, die sich von dem im Hier und Jetzt erlebten teilweise erheblich unterscheiden. Auf diese Weise kommt man auf eine stattliche Anzahl von parallelen Universen. Einer der Hauptvertreter dieser Richtung, der Physiker Bryce DeWitte von der Universität North Carolina, kommt auf eine Anzahl von 10 hoch 100 Universen. Das sind übrigens mehr parallele Welten als sich Atome in unserem sichtbaren Kosmos befinden.
Das Problem mit <Schrödingers Katze> ist damit gelöst. In einem Universum ist sie lebendig, in dem anderen tot. Was für die Katze gilt, gilt selbstverständlich für uns auch. In x Universen sind wir längst tot, in anderen kommen wir erst gar nicht zur Welt, in wieder anderen werden wir steinalt. Das alles klingt nach Science fiction, ist aber mit der Quantentheorie verträglich.
Zum Nachdenken:
Wenn sie das hier lesen (und sich gleich noch Zeit nehmen für einen Eintrag ins Gästebuch, Danke!),
können Sie da absolut sicher sein, dass sich Ihr Auto oder Fahrrad noch an dem Platz befindet, an dem Sie es abgestellt haben? Klar - es könnte gestohlen worden sein. Aber das meine ich nicht. Es wird gegenwärtig von Ihnen nicht beobachtet. Woher nehmen wir die Sicherheit, dass das, was wir augenblicklich nicht beobachten, dennoch vorhanden ist?
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Die Quantenphysik setzt die Existenz dessen voraus, was nicht ist, um zu erklären, was ist. Zu dem beeinflußt das, was nicht ist, das, was ist. In diesem Sinne ist auch das, was nicht ist.
Seite 54
Unter <Quantenkosmologie> versteht man die Übertragung der Quantentheorie auf die Entstehung unseres Universums. Dabei treten Schwierigkeiten auf hinsichtlich des engen Zusammenhangs zwischen Beobachtetem und Beobachter, der für die Quantentheorie zentral ist. Die Frage ist doch: Wer war am Anfang der Beobachter, als es noch keine den Kosmos beobachtenden Menschen gab?
Andererseits: Wenn es keinen bzw. keine Beobachter gab, wer ließ dann die Quantenwelle als reine Möglichkeitswelle kollabieren, damit das Universum entstehen konnte, das wir vorfinden? Denn die Quantentheorie sagt, dass ohne Beobachter bzw. ohne Messakt auf der subatomaren Ebene bloße Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten existieren, nicht aber die Wirklichkeit des Faktischen.
Alan Wolf kommt in dieser Frage zu verblüffenden Theorien:
<Im Anfang also, als alle Universen begannen, spaltete sich Gott, und sein Verstand verteilte sich auf eine Unmenge paralleler Universen, so daß sich ein einziges Energieuniversum, ein Energiezustandsuniversum, manifestieren konnte. Wenn es so war, wurde Gott von der eigenen Schöpfung gefangen; er verwickelte sich in seine eigene Schöpfung. Und das Universum wurde geschaffen. Und es gab in ihm Verstand ...

Betrachten wir zum Beispiel den Radius des frühen Weltalls. Hatte es überhaupt einen? Wie könnte es denn einen haben, da es im Quantenbild doch erst einen Radius bekommt, wenn er gemessen wird? Wer hat ihn gemessen? Wann spielte sich diese Messung ab? Mehrere Physiker haben sich mit diesen Fragen beschäftigt und sind zu einem verblüffenden Schluß gekommen - der dennoch mit dem Thema dieses Buches in Übereinstimmung ist: Es sind unsere heutigen Beobachtungen, die die Vergangenheit bestimmen.
Wenn also heute ein Ereignis beobachtet wird, gelangt dadurch irgendwie eine Botschaft zurück in die Vergangenheit und <verursacht> vergangene Ereignisse. Was aber ist dann, wenn dieses zutrifft, eigentlich die Vergangenheit? Es sieht so aus, als ob es keine absolute Vergangenheit gibt, weil es immer die Möglichkeit gibt, daß ein jetziges Ereignis sie verändert.
Ein Ausweg aus diesem Paradoxon findet sich in der Theorie der parallelen Universen. Danach gibt es keine feste Vergangenheit. Die Vergangenheit, die wir für die Vergangenheit halten, ist die Vergangenheit, ist das, was vernunftbegabte, in Gemeinschaft lebende Wesen übereingekommen sind, Vergangenheit zu nennen. Es gibt dort draußen andere Vergangenheiten, die darauf warten, entdeckt zu werden. Es gibt, anders gesagt, parallele Vergangenheiten - unendlich viele. Die Vergangenheit, die durch die Gegenwart verändert wird, ist nur eine von vielen.>
Seite 177ff

Für einen Theologen ist die Annahme erlaubt, dass Gott der erste Beobachter seiner Schöpfung war und ist. Am Ende des Schöpfungsberichts der Bibel heißt es: <Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.> Wir bekommen von der Quantenkosmologie einen Beleg für die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer solchen Beobachtung, die die Wahrscheinlichkeitswelle auf präzise Werte und Ausgangsbedingungen festlegte. Wenn die Quantentheorie die Wichtigkeit von Geist und Bewusstsein betont bei der Festlegung dessen, was wir Wirklichkeit nennen, dann ist vom Menschen die Rede, nach dem christlichen Glauben das Ebenbild Gottes. Die Quantentheorie auf der Basis der Gottebenbildlichkeit interpretiert, gelangt zu dem Schluss, dass wir Mit-Schöpfer Gottes sind durch die Teilhabe am Geist, der die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten der Quantenwelle in Wirklichkeit überführt.
Wenn wir Gott freilich als den ersten und einzigen Beobachter des frühen Universums annehmen, ist das Postulat von unendlich vielen (gleich wahrscheinlichen) Universen, die sich als Möglichkeiten überlagern, überflüssig.
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