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Der Untertitel des Buches verrät die Intention des Autors: Eine naturwissenschaftlich begründete Theorie über Gott. Es geht dem nach nicht um den Glauben an Gott, sondern um das, was man rational, mit den Methoden wissenschaftlicher Theoriebildung und Welterklärung empirisch und nachvollziehbar von Gott aussagen kann. Hier redet er ganz als Wissenschaftler. Er spart nicht mit Kritik an der kirchlichen Glaubenspraxis: Die meisten von uns leben mit der festen inneren Überzeugung, dass unser Dasein einen transzendenten Sinn erfüllt. Aber die Kirchen sind offenbar nicht willens oder fähig, sich den modernen Herausforderungen des Seins anzupassen und büßen damit im wahrsten Sinne des Wortes ihre "Glaubwürdigkeit" ein. S. 302 Darin liegt zweifellos eine Stärke seines Versuchs, Gott als existenznotwendig zu erweisen, Gott, den er keineswegs als physikalisches Prinzip betrachtet, wie man es von einem Wissenschaftler erwarten könnte, sondern ganz bibelgetreu als Person: sich den Herausforderungen zu stellen und das heißt konkret, das naturwissenschaftliche Weltverständnis, das wir alle mit der Muttermilch in uns aufgenommen haben, ernst zu nehmen und in seinem Kontext Gott zu begründen. Der Zentralbegriff, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht, ist die Evolution, die bereits im Urknall begann, von der Biosphäre in die Kultur-und Geistesgeschichte der Menschheit und von dort in die Sphäre der Technik übergeht (Technaea). Damit ist eine entscheidende neue Stufe in der Entwicklung erreicht. Der Autor nennt solche im Laufe der Evolution auftretenden Qualitätssprünge "Emergenz" als Beweis dafür, dass immer wieder völlig neue Eigenschaften und Möglichkeiten entstehen, die sich aus der Summe ihrer vorausgehenden Teile nicht erklären lassen. Die Technaea wird die Biosphäre allmählich ablösen, weil das irdische Leben auf Dauer aus physikalischen Gründen zum Untergang verurteilt ist und kaum geeignet wäre, sich im Weltall auszubreiten. Damit ist das Leben jedoch keineswegs zu Ende. Computer gesteuerte Maschinen sind nach der Definition des Autors ebenfalls lebende Wesen und sie werden schließlich in der Lage sein, das gesamte Universum zu besiedeln. Schließlich gipfelt alles am Ende in einem Megacomputer, der in der Lage sein wird, uns einfache und arme Menschen zu emulieren, d.h. als digitale Wesen in einem virtuellen Raum auferstehen zu lassen. Dieses komplexe Gebilde am Ende der Entwicklung nennt er Gott, der allwissend sein wird, da er alle im Laufe der langen kosmischen Evolution erworbenen Informationen gespeichert haben wird. Nur er vermag dann den Kosmos nach Erreichen seiner maximalen Ausdehnung gezielt in sgn. Taub-Kollapsen implodieren zu lassen, was dann dazu führt, dass das Leben (genauer: das virtuelle Äquivalent von Leben) bis in alle Ewigkeit weiter existieren wird. Dabei nimmt der Autor eine Teleologie der Evolution an, d.h. sie verläuft zielbestimmt auf den Endzustand Gott hinaus als Stufe der höchsten Komplexität. Alles entwickelt sich zwangsläufig, so z.B. die Computertechnologie, die ja die Voraussetzung für das Auftreten intelligenter, sich selbst reproduzierender Maschinen ist, so z.B. das Internet, das eine Art höheres Weltbewusstsein schafft. Auch die Abenteuerlust des Menschen, in den Weltraum vorzudringen, erklärt der Autor mit den Gesetzen der Evolution. > Zitat Was hier vorliegt, ist ein sgn. kosmologisches Schleifenmodell, das auf John Wheeler zurück geht, von dem er sich meines Wissens später wieder distanziert hat. Es besagt, dass der Kosmos sich selbst erschafft, indem er sich durch nachträgliche Beobachtung (in der Quantentheorie, der Lehre von den subatomaren Teilchen, ist der Beobachter von entscheidender Bedeutung) realisiert. Der Autor greift diese Spekulation auf und überträgt sie auf Gott. Gott ist der komplexe Endzustand der kosmischen Evolution. "Alles hängt von der Beobachtung Gottes ab, dessen Teil wir sind" S.299 Ich halte dieses Buch für lesenswert. Es bietet einen leicht verständlichen Einblick in das Anthropische Prinzip, einen umfangreichen Überblick über die kosmische, biologische und technische Evolution. Es ist lebendig geschrieben, enthält zahlreiche Beispiele, greift auch Inhalte aus der Spieltheorie auf - und vor allem kommt es im Gegensatz zu Tipler, dessen Theorie der Autor aufgreift, ohne langwierige physikalisch-mathematische Ausführungen aus. Ein bisschen Wissen und Interesse für Kosmologie und Natur vorausgesetzt, wird kein Leser beim Verstehen der Hauptgedanken des Autors Schwierigkeiten haben. Da der Autor mit seinem Werk keine absolute Wahrheit verbreiten will, sind auch kritische Anmerkungen erlaubt. Hier sollte weiter geforscht und diskutiert werden z.B. via Internet. Der Autor behauptet mit Recht, dass auch im Internet die Regeln der Evolution gelten. Wenn ein Gedanke oder eine Idee sich bewährt, wird sie im Netz vielfach aufgegriffen, kopiert, verlinkt; hier und da sicher auch verändert oder ergänzt, kommt sie nicht an, fällt sie der Vergessenheit anheim. Deswegen zum Schluss noch einige kritische Bemerkungen: - wo ist in dem im Ganzen deterministisch verlaufenden Evolutionsprozess noch Platz für Freiheit? - wie verhält es sich mit den extremen Ambivalenzen, die im Zuge der technischen Entwicklung auftauchen? Reicht da ein Fortschrittsoptimismus als Antwort? Dem Autor zu Folge führen die Gesetze der kulturellen Evolution zu höherer Moral und zur Kooperation. Ein Blick in die Geschichtsbücher und die Beobachtung der Zeitgeschichte lässt da zumindest Zweifel aufkommen. - was ist mit dem Individuum? Ist es nur Durchgangsstadium der Evolution, Träger von Genen und Memen? Was ist mit seiner Eigenwelt, seinen Erfahrungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, seinem Leiden? Als wer oder was werde ich emuliert und zu welchem Zweck? Die christliche Auferstehungshoffnung basiert auf einer Neuschöpfung, d.h. dass das Individuum von der Qual befreit wird, immer bis in alle Ewigkeit in der selben Identität bleiben zu müssen. Die christliche Auferstehungshoffnung hat nichts zu tun mit einer Konservierung des irdischen Lebens bis in alle Ewigkeit. - schließlich: ist ein bewiesener oder erwiesener Gott wirklich Gott? Hier wird gegen einen zentralen Grundsatz der Theologie verstoßen: Ein bewiesener Gott muss ein gegenständlicher Gott sein. Ein Gegenstand ist immer etwas, was unserer Anschauung unterworfen ist und somit unser Produkt. Erschaffen wir dann nicht selbst Gott? - die Stärke des Ansatzes des Autors könnte sich als Schwäche erweisen: Kann man, wenn man von Gott reden will, gänzlich ohne Metaphysik auskommen, nur auf die von uns beschreibbare Physik vertrauen? - und noch ein logisches Problem: Wenn Gott sich selbst erschafft, indem er das Universum erschafft, dann muss er bereits am Anfang allwissend sein bei der Festlegung der physikalischen Gesetze und der Naturkonstanten bzw. deren Feinabstimmung aufeinander. Er muss notwendig seinen Endzustand voraus bestimmen, da dieser ja sensibel von den Anfangsbedingungen abhängt, bzw. vom Endzustand her muss er den Anfangszustand wählen, meinetwegen durch rückwirkende Beobachtung und Beeinflussung des Quantenwürfels. Anfang und Ende fallen zusammen. Was ereignet sich dazwischen - außer dass alles minuziös vorgeplant oder durch rückwirkende Beobachtung in bestimmter Weise beeinflusst wird? Und wozu dieses Welttheater? Dann ist das, was der Autor geschaffen hat und was ich gerade auf den Monitor bringe, Ergebnis einer Programmierung. Wir schaffen eigentlich nicht wirklich kreativ. Und wenn Gott am Anfang schon weiß, wer er am Ende sein wird, kann er dann etwas dazu lernen; kann er sich verändern? - und wie verhält es sich mit der Emergenz? Der Autor hat mehrfach Beispiele für Emergenz vorgebracht. Emergenz in der Zukunft ist aber dadurch charakterisiert, dass wir nichts über die neu entstehenden Eigenschaften und Möglichkeiten physikalischer Systeme aussagen oder wissen können; um wie viel weniger können wir dann über die "End-Emergenz "Gott etwas wissen? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Eine Antwort des Autors Dr.Manzel auf die Frage nach der Determination: Nun noch speziell zu Ihrer Kritik. Sie fragen: wo ist in dem im Ganzen deterministisch verlaufenden Evolutionsprozess noch Platz für Freiheit? und ich merke daran, dass ich mich da nicht klar genug ausgedrückt habe. Ich sehe keinen deterministisch verlaufenden Prozess, genauso, wie die Evolution kein deterministischer Prozess ist. Trotzdem kommt unterm Strich meistens eine fittere Lebensgemeinschaft heraus, als sie in der Vergangenheit existierte. Es ist wie in der Quantenphysik: Der einzelne hat jede Freiheit zu tun und zu lassen was er will (im Rahmen seiner Möglichkeiten) das ist sozusagen die Ebene der Quanten. Auf der Ebene der Lebensgemeinschaften verhält es sich dagegen wie in der Newtonschen Physik: Die Entwicklungen haben einen insgesamt vorhersagbare Richtung, genauso, wie ein Apfel vom Baume nach unten fällt, obwohl wir über die einzelnen Atome im Apfel nicht genaues aussagen können. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||