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Selbst in der beschränktesten Umgebung besitzt der Mensch das Universum, er hat eine Welt. Die Sprache als die Fähigkeit, Universalien (Allgemeinbegriffe) zu gebrauchen, ist der Grundausdruck dafür, daß der Mensch die Umgebung transzendiert, daß er eine Welt hat. Das Ich-Selbst ist dasjenige Selbst, das sprechen kann und durch das Sprechen die Grenzen jeder gegebenen Situation überschreitet. Wenn der Mensch auf seine Welt blickt, blickt er auf sich als einen unendlich kleinen Teil seiner Welt. Obgleich er das Zentrum der Per-..spektiye ist, ist er auch ein Teil dessen, was in ihm zentriert ist, ein Teil eines Universums. Diese Struktur ermöglicht es dem Menschen sich selbst zu begegnen. Ohne seine Welt wäre das Selbst eine leere Form. Das Selbstbewußtsein hätte keinen Inhalt, denn jeder Inhalt, psychisch wie körperlich, liegt innerhalb des Universums. Es gibt kein Selbstbewußtsein ohne Weltbewußtsein, aber auch das Umgekehrte gilt. Weltbewußtsein ist nur möglich auf der Basis eines vollentwickelten Selbstbewußtseins. Der Mensch muß von seiner Welt völlig getrennt sein, um auf sie als Welt zu blicken. Sonst bliebe er milieugebunden. Die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Ich-Selbst und Welt ist die ontologische Grundstruktur und schließt alles andere ein. Beide Seiten der Polarität sind verloren, wenn eine der Seiten verloren ist. Das Selbst ohne Welt ist leer, die Welt ohne Selbst tot ... 2. Das logische und das ontologische Objekt Die Selbst-Welt-Polarität ist die Basis der Subjekt-Objekt-Struktur der Vernunft. Vor der Erörterung der Selbst-Welt-Polarität konnte in Teil I Vernunft und Offenbarung" diese Struktur nur vorläufig erörtert werden. Die Beziehung zwischen der Selbst-Welt-Polarität und der Subjekt-Objekt-Struktur muß jetzt erklärt werden. Wir haben die Welt als ein strukturiertes Ganzes beschrieben und wir haben ihre Struktur objektive Vernunft" genannt. Wir haben das Selbst beschrieben als eine Struktur der Selbstbezogenheit, und wir haben diese Struktur subjektive Vernunft" genannt. Und wir haben gesagt, daß diese einander entsprechen, ohne jedoch eine besondere Deutung dieser Entsprechung zu geben. Die Vernunft macht das Selbst zum Selbst, nämlich zu einer selbstbezogenen Gestalt; und die Vernunft macht die Welt zur Welt, nämlich zu einem strukturierten Ganzen. Ohne Vernunft, ohne den logos des Seins wäre das Sein Chaos, das heißt, es wäre nicht Sein, sondern nur die Möglichkeit des Seins| (me on). Aber wo Vernunft ist, ist Selbst und Welt in gegenseitiger Abhängigkeit, ist Subjekt und Objekt. Die Begriffe Subjekt und Objekt haben eine lange Geschichte, in der ihre Bedeutung nahezu den Platz gewechselt hat. Ursprünglich hieß subjektiv dasjenige, was unabhängiges Sein hat, eine Hypostase" für sich. Objektiv hieß dasjenige, das im Geist als dessen Inhalt ist. Heute, besonders unter dem Einfluß der großen englischen Empiristen, wird das, was real ist, als objektives Sein bezeichnet, während das, was im Geist ist, als subjektives Sein bezeichnet wird. Wir müssen der heutigen Terminologie .folgen, aber wir müssen über sie hinausgehen. In der Erkenntnissphäre wird alles, auf das sich der Erkenntnisakt richtet, als Objekt betrachtet, sei es Gott oder ein Stein, sei es das eigene Selbst oder eine mathematische Definition. Im logischen Sinn ist alles, über das etwas ausgesagt wird, eben durch diese Tatsache ein Objekt. Der Theologe kann nicht umhin, Gott zu einem Objekt im logischen Sinne des Wortes zu machen, gerade wie der Liebende nicht umhin kann, den Geliebten zu einem Objekt der Erkenntnis und des Handelns zu machen. Die Gefahr der logischen Objektivierung ist, daß sie niemals rein logisch ist. Sie führt ontologische Voraussetzungen und Implikationen mit sich. Wenn Gott in die Subjekt-Objekt-Struktur des Seins gebracht wird, hört er auf, der Grund des Seins zu sein, und wird ein Seiendes unter anderen (vor allen Dingen ein Seiendes neben dem Subjekt, das ihn als ein Objekt betrachtet). Er hört auf, der Gott der Gott zu sein, der wirklich Gott ist. Religion und Theologie sind sich dieser Gefahr der religiösen Objektivierung bewußt. Sie versuchen auf verschiedene Weise, der unbeabsichtigten Blasphemie, die in dieser Situation enthalten ist, zu entrinnen. Die prophetische Religion leugnet, daß man Gott sehen" kann, denn das Gesicht ist der Sinn, der am stärksten vergegenständlicht. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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